Kerbgeschichten – Kerbbräuche

Sprendlingen – Einen Eindruck vom Aussehen früherer Kerbborschen geben uns alte Photographien. Sie zeigen, dass sich die uniformierte Kleidung bis heute kaum geändert hat: weißes Hemd, dunkle Hosen und ein großrandiger Strohhut.

Der Jahrgang 1872 als Kerbborsche, wahrscheinlich 1891 oder 1892 aufgenommen

Auf dem hier abgebildeten Foto des Jahrganges 1872 sind die Strohhütte mit dicken, wahrscheinlich roten Schnüren verziert, die im Zickzack angeheftet sind. Die Schnüre enden in zwei dicken, über den Hutrand hängenden Quasten. Viele Kerbborschen tragen einen breiten Gürtel mit der Aufschrift „Gut Heil“.
In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts waren die bereits gemusterten Kerbborschen mit farbigen Schärpen geschmückt, deren Farbe und Aufschrift die Waffengattung angab, der sie zugeteilt worden waren.
Auf diesem und auch anderen Bildern sind noch Einzelheiten zu sehen, die längst aus der Tradition herausgefallen sind.
Einige Kerbborschen sind durch weiße Schürzen als „Mundschenke“ gekennzeichnet, die beim Festzug den Ebbelwoi ausschenken.
Am rechten Bildrand steht der „Kerbvadder“, der gewählte Anführer, mit einem bändergeschmückten „Kerbstrauß“. Das war ein Fichtenbäumchen, das am Ende des Umzuges über dem Eingang des Stammlokales angebracht wurde.
Links und Rechts vom Fass sitzen zwei als Harlekine verkleidete Kerbborschen, die je eine Pritsche („Plätsch“) in der Hand halten. Diese Harlekine liefen vor dem Zug her und machten ihn mit der Plätsch die Straße frei. Eine weitere Besonderheit auf dem Bild der 1872er: das „Kerbpärchen“. Es sind zwei Kerbborschen in einer Art Tiroler Tracht – der eine als Mädchen, der andere als junger Mann gekleidet. Möglicherweise führten sie den Kerbumzug als Vertreter des Pfarrers an. Auf dem Gruppenbild erkennt, dass die Kerbfahne drei Farbfelder hatte. Die Aufschrift in der Mitte ist jedoch nicht zu entziffern. Heute ist es üblich geworden, dass jeder Jahrgang sich eine neue Fahne herstellt, meist in den Landesfarben rot und weiß.

Quelle: Sprendlinger Stadtanzeiger 1989

Kerbgeschichten – Damals

Kerbgeschichten – Damals…das es ehrbar beim Tanze zugehe

 

Sprendlingen – Im August des Jahres 1699 bekam der Sprendlinger Pfarrer Jeremias Phillip Capeller unerwartet Post von der Hochgräflichen Regierung in Offenbach. Es wurde ihm Befehl erteilt, ein wachsames Auge auf die Sprendlinger Kerb zu richten, damit ja keine Üppigkeiten und der gleichen aufkäme. Hier der Brief an den Pfarrer:

Unseren freundlichen Gruß zuvor, ehrwürdiger und Hoch-Wohlgelehrter, Lieber Herr und Freund.
Wir haben erhalten und gelesen, an was Ihr der bevorstehenden Kirchweih halber erinnern wollt. Gleichwohl haben wir nicht darauf verzichtet, dem Amts-Schultheißen Brinck in dieser Sache schriftlichen Verhaltungs-Befehl zu erteilen. Deshalb haben wir denselben zu Eurer Kenntnis sub sigello vorlante hier mit beigegeben, den Ihr nach dem Lesen sofort dem erwähnten Amts-Schultheißen insinuieren (zukommen) lassen könnt.
Wir verbleiben Euch im übrigen freundl. zu dienen willig und geneigt

Offenbach, den 10. August 1699
Hochgräfl. Ysenburgische Regierungs- Räte.

Ein zweites Schreiben ähnlichen Inhalts erreichte Schultheiß Joh. Daniel Brinck. Auch hier der Wortlaut:

Ysenburgischer Kanzlei-Befehl an dem Amts-Schultheißen in puncto Kirchweih.
Nachdem man vernommen, dass nächsten Sonntag die Sprendlinger Kirchweih wieder anstehe, wird der Amts-Schultheiß Brinck hiermit erinnert, mit Fleiß darauf zu sehen, dass alle Üppigkeiten verhütet und bei Vermeidung Herrschaftl. Strafe und Ungnade niemand gestattet werde, am Sonntag – weder früh noch spät – Musikanten und noch viel weniger Tanz abzuhalten. An den folgenden Tagen soll zwar das Spielen und öffentliches Tanzen zur Zeit nicht verboten sein, jedoch aber Bescheidenheit gebraucht werden, damit der Tanz des abends zu rechter Zeit eingestellt und unter Heranziehung des Pfarrers von den Kirchenältesten oder -vortsehern nach dem Beispiel benachbarter Ortschaften jemand dazu verordnet werde, der mit zusehe und acht gebe, dass es ehrbar und ordentlich beim Tanzen hergehe, mithin alles üppige und leichtfertige Wesen verboten und eingestellt bleibe. Der erwähnte Amts-Schultheiß wird nach gehöriger Mahnung dem nachzukommen wissen.

Offenbach, den 10. August 1699.
Hochgräflich Ysenburgische Kanzlei

Wie man sehen kann, war das Auge des Gesetzes – offiziell – immer zugegen. Man muss sich allerdings fragen, woher damals die vor- und unehelichen Kinder kamen, derentwegen Kirchenbuße wegen „Hurerey“, „,“fleischlicher Unzucht“ oder „frühen Beyschlafs“ und das meist noch vor der versammelten Kirchengemeinde, getan werden musste. Der Herr Pfarrer und die anderen Amtspersonen waren anscheinend doch nicht überall dabei?

Heinz Hang

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v.l. Bodo Leonhardt (Beisitzer), Uwe Wegner (2. Vorsitzender), Olli Bohrer (1. Vorstizender), Armin Schuler (Kassenwart) Sean Kuch (Beisitzer), Thomas Palm (Beisitzer), Ralf Knabe (Schriftführer), Simon Weimer (Beisitzer),  Conny Jacob (Beisitzer), Roman Kuch (Beisitzer), Tim Häfner (Pressewart) und Robert Grandke  (Beisitzer)

 


Kerbverein

Wir feiern die Sprendlinger Kerb am ersten Sonntag nach dem 10. August (oder am Sonntag, den 10. August selbst), dem Namenstag des heiligen Laurentius. Dieser Brauch lässt sich zurückführen auf die erste Sprendlinger Kirche, eine der ältesten in der westlichen Dreieich, die dem heiligen Laurentius geweiht war. In einem Dokument aus dem Jahr 880 wird sie erstmals genannt.
Das Sprendlinger Kerbteam 2000 hat sich 1999 zusammengefunden, um im Jahr 2000 die (Millennium)-Kerb zu feiern. Diese Kerb war ein grosser Erfolg. Aufgrund diese positiven Ressonanz hat sich das Sprendlinger Kerbteam 2000 entschlossen auch zukünftig bei der Gestaltung, Planung und Umsetzung der Sprendlinger Kerb beizutragen. Das Sprendlinger Kerbteam hat am 25.04.2003 einen Verein gegründet. Der Verein ist in das Vereinsregister eingetragen und trägt den Namen „Sprendlinger Kerbteam e.V.“. Wir zählen über 110 Mitglieder, die sich zum Ziel gesetzt haben den Brauch der Sprendlinger Kerb aufrecht zu erhalten. Am 17.09.2021 wurden die oben genannten Vorstandsmitglieder für die Dauer von zwei Jahren gewählt.

Kerblieder

Sprendlinger Lied

Das wohl bekannteste Lied, welches auch jede Sprendlingerin
und jeder Sprendlinger kennen sollte, ist das Sprendlinger Lied:

Kimmst du vom Galljehiwwel her,
lass deine Blicke ringsum schweife.
Grüßt dich die Hub vom Bornwald her
und ach der Haaner Wald noch mehr.
Und alles was da mitte drinne leit,
des is moi Sprennlenge,
des is moi Heimatland
komm her betracht ders von de Näh, von de Näh,
moi Sprennlenge is wunnerschee.Gehst du die Hauptstroß dann enuff,
do kimmste an des neue Rothaus.
Guck dort die Herschkuh vorne druff,
die frisst die Rotsbeschlüsse uff.
Un owwe druff des klaane Tärmche,
uff seiner stolzen Höh,
butzt es des Rothaus schee.
Komm her betracht ders von de Näh, von de Näh,
moi Sprennlenge is wunnerschee.Wo krieht mer gute Äppelwoi,
wo gibts die allergrösste Rippcher.
Wo macht mehr Frankforts Brotwärscht schee,
wo is stets jung die Bolizee.
Wo gibts die billigste Filzsohle,
in meinem Heimatort,
meim liebe Sprennlenge.
Komm her betracht ders von de Näh, von de Näh,
moi Sprennlenge is wunnerschee.Wo kannste Straase reche noch,
wo brennt schee die Laterne rote.
Wo wäscht mer der dein dreckische Kopp,
wo krieht die Fraa de scheenste Zopp.
Wo hawwe ach die Fremde Rechte,
wo werste champoniert,
wo werste ondoliert.
Komm her betracht ders von de Näh, von de Näh,
moi Sprenlennge is wunnerschee.

Kerbbilder

Sie möchten das Abschlussfeuerwerk der 300ten Sprendlinger Kerb im Jahr 2016 sehen? Dann klicken Sie bitte den Link an.

Wir wünschen viel Vergnügen.

 

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